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Evangelisch methodistische Kirche Rüti - Wald - Hombrechtikon |
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Einander fremd und nahBibeltexte: Ruth 2,8-13
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Das Motto der diesjährigen Jährlichen Konferenz (JK) lautete: „… auf dass die Welt verändert wird“ – viele werden sich erinnern: Das ist der 2. Teil des Missionstatements der EMK: „Menschen in die Nachfolge Jesu Christi führen, auf dass die Welt verändert wird“. Der Samstagmorgen stand unter dem Schwerpunktthema: „Einander fremd und nah – Christsein mit Menschen aus aller Welt“. Wir erhielten Hintergrundinfos zum Thema Migration, Einblicke in EMK-Bezirke mit Migrantengemeinden (die am schnellsten wachsenden Gemeinden; Bsp. EMK-Bezirk Biel mit 3 Gemeinden und 10 Nationalitäten). Wir wurden angeregt, eigene Erfahrungen des Fremdseins zu reflektieren, und als Abschluss des Morgens feierten wir einen Gottesdienst mit Elementen in 7 oder 8 Sprachen und der Predigt von Bischof Yemba, Kongo. Dieser Morgen hat mich motiviert, hin zu sitzen, die Bibel aufzuschlagen und zu erforschen, was sie zum Thema Fremdsein und Umgang mit Fremden sagt. Was ich herausgefunden habe, will ich heute Morgen mit euch teilen. Nämlich: Gott ist ein Gott der Fremden, und die Bibel kennt wie die Nächstenliebe auch die „Fremdenliebe“.
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Ein Gott der Fremden unter unsGott ist ein Gott der Fremden unter uns. Der alttestamentliche Beter weiss: „Der Herr behütet die Fremden unter uns“ (Psalm 146,9). Was normalerweise speziell Israel galt – das Behütetwerden – galt genauso den Fremden unter ihnen. Der Gott Israels war auch ein Gott der Fremden unter ihnen. Wer waren die „Fremden“ oder etwas altertümlich die „Fremdlinge“? Heute würde man von Migranten reden. Es waren Menschen, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verliessen und die sich in einem fremden Land niederliessen. Ich denke an das Büchlein Rut: Naomi, die mit ihrer Familie wegen einer Hungersnot von Bethlehem nach Moab zog, war eine Migrantin. Später kehrte sie mit ihrer Schwiegertochter Rut, einer Moabiterin, wieder nach Israel zurück. Oder Mose war einer, der nach einem Totschlag aus Ägypten nach Midian flüchten musste. Noch etwas weiter zurück treffen wir auf Jakob und seine Sippe, die nach Ägypten zogen, um sich vor dem Hungertod zu retten. Aus ihnen wurde das Volk Israel – alles Fremdlinge in Ägypten, dann 40 Jahre unterwegs in fremden Gebieten, bis sie schliesslich von Gott „ihr“ Land erhielten. Aber der Boden, auf dem sie lebten, war nicht ihr, sondern Gottes Eigentum – auch da also Fremdlinge. Das führte sie zum Verständnis, dass Gottes Schutz wie ihnen, die ja eben selbst Fremdlinge waren, in besonderer Weise auch den Fremden, den Migranten unter ihnen galt. Gerade weil diese in der alttestamentlichen Gesellschaft nicht alle Rechte hatten und meist von einem Arbeitgeber abhängig waren, darum im Allgemeinen wie die Waisen und Witwen zu den wirtschaftlich Schwachen, den Armen gehörten, galt ihnen Gottes besonderer Schutz. Gott setzte sich für sie und ihr Lebensrecht besonders ein. Sie und ihr Wohl lagen ihm besonders am Herzen. Das erkannte das Volk Gottes und erliess für sie wie für die Witwen und Waisen Schutzbestimmungen. Das war einmalig, das gab es nur in Israel. Nirgends sonst zählten die Fremden zu den Schutzbedürftigen. Das Alte Testament geht aber noch weiter und sagt sogar: „Der HERR, euer Gott, liebt den Fremden“ (5. Mose 10,17f). Von Gottes Liebe zu Israel ist oft die Rede. Aber hier wird sie ausdrücklich auch auf die Fremden bezogen. Das ist einzigartig! Ausser von den frommen Israeliten (Ps 146,8) wird sonst von keiner anderen Personengruppe ausdrücklich gesagt, dass der HERR sie liebt. Ihr Lieben, wenn wir uns dies vor Augen halten, wird klar: Gott liebt die Fremden unter uns, Gott ist den Migranten nah, achtet auf sie, nimmt ihre Nöte und Bedürfnisse wahr, weiss, was sie nötig haben, nimmt sie ernst, steht auf ihrer Seite. Verstehen wir: Gott ist ein Gott der Fremden!
Schon die Mitglieder des alttestamentlichen Gottes Volks haben sich als Fremdlinge verstanden – ich habe es bereits gesagt. Die neutestamentliche Gemeinde übernimmt dieses Verständnis: „Liebe Freunde, ich ermahne euch als Fremde in fremdem Land…“ (1. Petrus 2,11), redet Petrus seine LeserInnen an. Petrus ist überzeugt: Christen leben auch mit irdischem Bürgerrecht ihres Landes in der Fremde. Christinnen sind immer fremd in dieser Welt. Christen erfahren: Ihr Glaube und ihr Lebensstil machen sie zu Aussenseitern. Als eine kleine Minderheit bilden sie eine Kontrastgemeinschaft, die in der übrigen Gesellschaft ein Fremdkörper ist – ‚in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt‘ (Johannes 17,11.14). Sie erleben, dass sie ausgegrenzt werden, dass sie nicht dazu gehören, ja dass sie gehasst und an gewissen Orten bis heute verfolgt werden. Aber diese Erfahrungen teilen sie mit Jesus. Von ihm sagt Johannes: „Er kam zu seinem Volk, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen“ (Johannes 1,11). Sie nahmen Jesus nicht auf. Jesus war ein Fremdling: Er verliess seine himmlische Heimat und kam in einem stinkigen Stall zur Welt; er galt als uneheliches Kind; kurz nach seiner Geburt musste seine Familie nach Ägypten fliehen; wegen dem, was er sagte und tat wurde er immer wieder angefeindet, und sogar von seinen engsten Freunden wurde er verlassen; schliesslich starb er den einsamen und grausamen Tod eines politischen Aufrührers. Jesus war fremd in dieser Welt – und ist es bis heute. Aber Gott hat sich zu ihm gestellt. Am Anfang seines Dienstes, bei Jesu Taufe, sagte eine Stimme aus dem Himmel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Matthäus 3,17). Und bestätigt hat Gott dies, indem er den, den die Menschen ausgestossen haben, von den Toten auferweckte und wieder bei sich aufnahm. Dies ist auch unsere Zukunftshoffnung, die schon das Leben jetzt prägen will: „Ihr seid jetzt also nicht länger Fremde ohne Bürgerrecht, sondern seid – zusammen mit allen anderen, die zu seinem heiligen Volk gehören – Bürger des Himmels; ihr gehört zu Gottes Haus, zu Gottes Familie“ (Epheser 2,19). Denn: „Wir sind Bürger des Himmels“ (Philipper 3,20). Vielleicht fühlst du dich manchmal auch fremd in dieser Welt, vielleicht sogar in deiner kleinen Welt, in der du lebst, mitten in deiner Familie, mitten unter deinen Freunden, mitten in der Gemeinde… Eine Frau aus Deutschland, die seit vielen Jahren in der Schweiz verheiratet und in einer EMK-Gemeinde engagiert ist, hat an der JK von ihren Erfahrungen erzählt. Vor einigen Monaten gab es eine aufgebauschte Diskussion rund um die Deutschen in der Schweiz: „Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?“, fragte der Blick, und allerlei Klischees wurden aufgewärmt. Eine Gesprächsrunde in der Gemeinde nach dem Gottesdienst inkl. einer Hauskreisfreundin verhandelte diese Diskussion und die weiter transportierten Vorurteile kritisch. Schliesslich äusserte die Freundin, sie müsse nun doch noch sagen – es stimme halt schon, was von den Deutschen gesagt werde! Die Erzählerin war sprachlos und tief getroffen; sie habe dann zu ihrer Freundin gesagt: Aber ich bin doch auch eine Deutsche. Die Freundin: Oh, ehrlich? Das sei ihr überhaupt nicht mehr bewusst gewesen. Ja, vielleicht fühlst du dich manchmal auch fremd, dann hör, wer Gott ist: Gott ist ein Gott der Fremden. Er weiss, was Fremdsein heisst. Er hat es ja selber auch durchgemacht. Er weiss, wovon du sprichst, woran du leidest. So ist er dir besonders nah. Nein, bei ihm bist du nicht fremd. Bei ihm bist du Zuhause. Sein Herz brennt für dich. Liebe Gemeinde, so ist unser Gott: Er sieht das Fremde und er liebt, die, die fremd sind!
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Den Fremden nah sein – FremdenliebeAber Gott will nicht alleine bleiben mit seiner Liebe für die Fremden. Er möchte sein Herz, das für die Fremden unter uns schlägt, mit uns teilen. Er möchte uns auf seiner Seite – und das ist nah bei den Fremden – haben. Schon die Menschen in atl. Zeit wollte er auf seiner Seite haben, darum bat er sie: „Wenn ein Fremder bei dir lebt in eurem Land, sollt ihr ihn nicht bedrängen. Wie ein Einheimischer soll euch der Fremde gelten, der bei euch lebt. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. Ich bin der HERR, euer Gott“ (3. Mose 19,33f). Neben der Gottes-, der Nächsten- und der Feindesliebe kennt die Bibel also auch eine „Fremdlingsliebe“. Auch hier fällt wieder auf: Die Fremden als Personengruppe werden besonders und ausdrücklich erwähnt. Fremdenliebe: Wem Gottes Liebe gilt, kann und darf seine Liebe denen nicht verweigern, die Gott liebt – den Fremden unter uns. Wir würden seine Liebe zu uns aufs Spiel setzen, wie Jesus einmal sehr drastisch klar gemacht hat, als er sagte: „Ich war ein Fremder, und ihr habt mich nicht aufgenommen… Was immer ihr an einem meiner Brüder zu tun versäumt habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr mir gegenüber versäumt. So werden sie an den Ort der ewigen Strafe gehen, die Gerechten aber werden ins ewige Leben eingehen“ (Matthäus 25,43.45f).
Was sind Hindernisse, Fremden in tätiger Liebe zu begegnen, Fremden nah zu sein? Ich denke, einmal ist es die Angst vor dem Fremden, Unbekannten. Angst vor „Überfremdung“, Angst um Arbeitsplätze, Angst um den Bildungslevel unserer Kinder, Angst um unsere christlichen Werte. Andersartiges stellt uns und unsere Gewohnheiten, unsere Sichtweise, das, was uns wichtig ist und unsere Identität ausmacht, in Frage und löst Veränderungen aus. Das mögen wir nicht, das macht uns Angst. Aber Angst lässt sich überwinden. Das Fremde verliert seine Bedrohlichkeit z. B. dann, wenn wir uns darauf einlassen und es besser kennen lernen. (Gespräche zwischen Christen und Muslime in Rüti). Das ist für uns Christen umso einfacher, je bewusster uns ist, was unsere eigentliche Identität ausmacht – die Liebe Gottes zu uns und zu allen Menschen. Auch Vorurteile und Klischees sind Hindernisse, Fremden liebevoll und offen zu begegnen. An der JK berichtete ein älterer Schweizer, wie er Mühe hatte, seinen Briefkasten- und Hausschlüssel einer Kosovarin anzuvertrauen – die stehlen doch. Dank seiner Frau hat er es doch getan, und daraus ist eine wunderbare Freundschaft entstanden. Sie hat den Hausschlüssel jetzt nicht nur, wenn sie in den Ferien sind. Jemand sagte zum Umgang mit Vorurteilen: ‚Seht nicht den Deutschen, die Kosovarin, den Afrikaner vor euch an, sondern den Menschen!‘ Gleichgültigkeit ist ein weiteres Hindernis. Nebenan die 5-köpfige Migrantenfamilie. Immer wieder verpassen die Eltern wichtige Termine in der Schule: Elternabende, die zum zweiten Mal verschobene Schulreise ihres ältesten Sohnes, ein Schülervorspiel im andern Schulhaus, usw. Man ärgert sich über sie. Die wollen nicht. Die wollen sich nicht anpassen, hört man sagen. Doch wer genauer hinschaut merkt: Es liegt an der Sprache. Sie sind überfordert mit den vielen Elternbriefen mit Terminen und Mitteilungen und Informationen. Nur, niemand schaut genauer hin. Man mag sich nicht in ihre Situation hineindenken, in ihre Not, in ihre Hilfsbedürftigkeit. Es ist einem egal. Aber Gleichgültigkeit ist Lieblosigkeit, und Lieblosigkeit führt weg von Gott, der den Fremden nah ist. Angst, Vorurteile, Gleichgültigkeit führen weg von Gott. Aber Gott will uns auf seiner Seite haben, darum kommt er auf uns zu – heute, morgen, im Mitmenschen, nicht selten in einem Fremden. Im Fremden begegnet uns Gott, im Fremden ruft uns Gott zu sich, weil er uns wie dem Fremden nah sein will, weil er für uns eine Heimat bereit hält. Gelt, es darf nicht sein, dass Angst, Vorurteile und Gleichgültigkeit uns von ihm wegziehen. Lasst uns wach sein, um zu erkennen, wo Gott uns begegnen und nahe kommen will. Wo wir es zulassen, dass Gott uns nah kommt und unserer Herz mit seiner Liebe zu uns und zu den Fremden berührt, haben Angst, Vorurteile und Gleichgültigkeit keine Chance mehr. Sie stehen auf verlorenem Posten. Was tut ein Mensch, der so von Gott berührt wurde? In Wort und Tat bezeugt er Gottes Liebe zu den Fremden, indem er der Migrantenfamilie nebenan Raum in seinem Herzen gibt; indem er Gottes Mitleiden an ihren Nöten teilt; indem er sich bewusst macht: diese Fremden bedeuten Gott unendlich viel; indem er Nähe wagt, Gastfreundschaft anbietet, vielleicht Gespräch, praktische Unterstützung im Alltag. Was tut eine Gemeinde, die so von Gott berührt wurde? Sie beteiligt sich mit ihren Möglichkeiten am Aufbau einer Gesellschaft, in der auch Fremde menschenwürdig leben können; sie spricht Unrecht an, hilft mit, Konflikte zu lösen, solidarisiert sich mit den Bedürftigen. Und sie entdeckt: Der Weg zu den Völkern, zu denen Jesus uns sendet, ist ja gar nicht weit, sie leben ja mitten unter uns, und sie geht die paar Schritte zu ihnen. Einander fremd und nah: Wo wir als Christen und Kirche so unterwegs sind, berührt von Gott, ohne Angst und Vorurteile und aufmerksam den Fremden gegenüber, da wird Gottes Menschenliebe, seine Liebe zu uns und zu den Fremden, sichtbar und erlebbar, da wird ein Stücklein Welt neu – „… auf dass die Welt verändert wird“. Amen. 2. Juli 2010 / Pfr. Stefan Zürcher |
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