Symbolbild Symbolbild  
Evangelisch methodistische Kirche
Rüti - Wald - Hombrechtikon
 
Home/Bezirk
Aus unserer Geschichte
Kurse
Die Evang. meth. Kirche
D.I.E.N.S.T.
Anlässe Jugendarbeit
Partnergemeinde Varna
Predigten
Am Puls von Josefs Familie
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv
Archiv Weitere Predigten
Tann - Rüti
Wald
Hombrechtikon
Intern
Kontakt
Links
 

Die Bibel lehrt beten (2)

Wir wissen nicht, was wir beten sollen

Bibeltexte: Jeremia31,31-34; Römer 8,18-30
Predigttext: Römer 8,26-27

Ebenso aber auch der Geist: Er nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn, was wir beten sollen, so wie gebetet werden muss, das wissen wir nicht. Aber er, der Geist, tritt für uns ein mit unaussprechlichem Stöhnen. Der aber, der die Herzen erforscht, weiss, was die Absicht des Geistes ist, weil er so, wie es Gott entspricht, für die Heiligen eintritt.

Römer 8,26-27

Zum Textzusammenhang

In der Schriftlesung haben wir den Zusammenhang dieser beiden Verse gehört. In Vers 18 nennt Paulus das Thema dieses Abschnitts: Er ist überzeugt, dass das Leiden in der gegenwärtigen Zeit im Vergleich zur Herrlichkeit, die uns erwartet, nicht ins Gewicht fällt – so viel grösser ist sie. Er stellt die Gegenwart der Zukunft gegenüber, das, was jetzt noch ist, dem, was einmal sein wird, das, was wir jetzt noch erleben, dem, was uns erwartet: jetzt Vergänglichkeit, Schwachheit, Sinnlosigkeit, Gottlosigkeit, Nichtigkeit – und damit Sehnsucht, Leiden, Schmerz, Seufzen; dann aber Befreiung von all dem, Erlösung – und damit Herrlichkeit, volles Leben, Schalom, der Himmel, der schon die Zeit jetzt mit Hoffnung erfüllt, ihr eine Perspektive und damit Sinn gibt.

Das also ist das Thema dieses Abschnittes. In den folgenden Versen schildert Paulus dann diese Sehnsucht und das Leiden: Verse 19-22: die ganze Schöpfung leidet unter der Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit und seufzt; 23-25: ebenso leiden und seufzen Gottes Kinder, die Christen in ihrem Erdenleben und 26-27: auch Gottes Geist seufzt und steht so vor Gott ein für die seufzenden Glaubenden.

In diesen Rahmen hinein gehören unsere beiden Verse: die Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit auf der einen, die verheissene und durch Gottes Geist verbürgte Befreiung und Erlösung davon auf der anderen Seite. Beides wirkt sich nun aber auch im Beten aus. Das eine: Wir wissen nicht, was wir beten sollen, so wie gebetet werden muss. Als vergängliche und in die Sünde verwickelte Menschen können wir von uns aus mit dem ewigen Gott nicht kommunizieren. Das andere und Entscheidende: Gottes Geist steht für uns hin. Gottes Geist springt ein und ermöglicht trotz unserem Unvermögen das Gespräch, die Begegnung mit Gott.

Wir wissen nicht…

Damit sind wir beim heutigen Thema: Wir wissen nicht, was wir beten sollen. Davon ist Paulus überzeugt: Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es recht ist.

Das ist eine steile Behauptung, nicht? Uns fällt doch Vieles zum Beten ein. Wir haben zu loben und zu danken, wir haben zu bitten, und manchmal haben wir auch zu klagen. Natürlich, es gibt sie auch, die Zeiten, in denen uns die Worte fehlen, in Lebenskrisen zum Beispiel, in einer Depression vielleicht. Aber dann, wenn wir keine eigenen Worte finden, haben wir ja noch die Bibel mit ihren Gebeten, den Psalmen, dem Unservater und weiteren Gebeten, die wir beten können. Und das Gesangbuch mit seinen Liedtexten, die ebenfalls wunderbare Gebete sind, haben wir auch, und andere Gebetsbücher.

Was meint Paulus? Denkt er an die Gebetskrisen, in denen wir ganz verstummen, weil keine Worte mehr ausdrücken können, was wir im Innersten empfinden und erleiden? Ich vermute nicht. Paulus meint das Beten überhaupt, jedes Beten, auch das Beten, wo wir denken, dass es gut ist. Denn in diesem Abschnitt redet er ja vom Christsein allgemein. Das ist die Situation auch der Christen, aller Christen: Wir alle sind Teil dieser vergänglichen Erde, die durch die Sünde in Mitleidenschaft gezogen ist. Dazu gehört, dass wir vom Leiden auf der Erde mitbetroffen sind und mitleiden, manchmal offensichtlich, etwa wenn wir selbst von Krankheit oder Unfrieden betroffen sind, manchmal, wenn es uns gut geht, weniger offensichtlich. Ein anderes Kennzeichen unseres Erdenlebens ist jetzt auch, sagt Paulus, dass wir nicht wissen, was und wie beten – nicht nur in Gebetskrisen. Niemand wisse, was beten. Kein Christ könne von sich aus in rechter Weise beten.

Will Paulus damit seine Leser nur provozieren? Will er sagen: Vergesst euer Beten! Es ist nichts, eure Gebete sind vergeblich? Auch so würden wir Paulus wohl missverstehen. Nein, Paulus will doch wohl sagen: Unser menschliches Beten kommt ohne die Unterstützung von Gottes Geist nicht aus. Unser Beten kommt ohne seine Hilfe bei Gott nicht an. Der Verlust des Paradieses hat dazu geführt, dass wir nicht mehr in der Lage sind, die Sprache Gottes zu sprechen. Wir haben sie verlernt. Wir sprechen so eine andere Sprache, dass wir auch sein Reden nicht mehr verstehen. Wir haben uns so auseinander gelebt, dass wir nur noch aneinander vorbei reden. Durch die Sünde ist jegliche Kommunikation unmöglich geworden. Unser Beten ist so begrenzt, schwach, sinnleer und kläglich wie wir selber. Wir sind absolut unfähig, uns mit Gott zu verständigen. Der Graben ist von unserer Seite her unüberbrückbar.

Wie hören wir diese Behauptung? Ich vermute, vielen von uns ist dieser Gedanke recht fremd. Normalerweise beten wir doch munter drauflos, ohne uns solches zu überlegen. Doch gibt es hin und wieder nicht Momente, in denen wir auch noch etwas anderes spüren und erleben? Momente, in denen wir empfinden, dass unsere Worte nur bis zur Zimmerdecke gehen und dort hängen bleiben, dass sie Gott nicht erreichen. Dann ahnen wir, dass sie viel zu klein, zu schwach, zu kläglich, zu menschlich sind, um bis zu Gott zu gelangen, so nicht Gott gemäss. Wir spüren: Wir können nicht beten. Unmöglich. Wer dies schon erlebt hat, weiss, wie elend man sich dann fühlt, wie klein und verloren. Diese schwere Erfahrung mag dann illustrieren und bestätigen, was für Paulus allgemein gilt: Wir alle wissen nicht, was und wie beten.

Was heisst dies für unser Christsein? Ich denke, das Wissen, dass wir nicht wissen, will uns demütig und bescheiden machen – auch im Blick auf unser Beten. Wir sind aufgefordert, uns und unsere Fähigkeiten nüchtern einzuschätzen. Wir sind aufgefordert, kritisch zu fragen, ob wir nicht zu hoch von unserem Beten denken. Vor allem aber ermutigt Paulus – besonders jene, die sich im Vergleich zu andern in ihrem Beten so klein und stümperhaft vorkommen und sich gar nicht getrauen, in deren Gegenwart zu beten. So wie wir sind und mit allem, was uns beschäftigt, sollen wir zu Gott kommen. Warum? Weil im Beten alle doch am selben Punkt stehen: Wir alle wissen nicht – und müssen nicht wissen. Jedes Beten ist vor Gott nicht mehr als Stottern – und darf Stottern sein, weil wir begrenzte Menschen sind. Darum braucht sich beim Beten niemand zu genieren.

Gott nimmt uns ins Gebet

Wir haben davon gesprochen, dass wir nicht wissen, was und wie beten. Aber jetzt ganz entscheidend: Dieser Begrenztheit nimmt sich Gottes Geist an und tritt für uns ein, der Geist, den wir, als wir Christen wurden, bekommen haben. Darauf will Paulus hinaus. Davon will er eigentlich reden. Das ist sein Thema in diesen beiden Versen. Das soll uns heute Morgen aufgehen: Gottes Geist macht Unmögliches möglich und stellt die Verbindung zwischen uns und Gott her. Durch ihn können wir beten. In ihm können wir „Abba, Vater“ rufen (v15) und mit Gott reden. Durch ihn hören und verstehen wir Gott. In ihm begegnen wir dem Vater.

Wie geht das? Was tut der Heilige Geist dabei? Man könnte sich vorstellen, dass er eine Art Briefträger sei und unsere Gebete zu Gott trägt. Man könnte sich auch überlegen, ob er Dolmetscher sei und unsere Gebete von unserer menschlichen Sprache in Gottes Sprache übersetzt und umgekehrt. Möglich wäre auch, ihn als Fürsprecher zu verstehen, der Gott um ein offenes Ohr für uns und unsere Anliegen bittet. In allen drei Fällen wäre Gottes Geist dann eine Art Vermittler; wir wären aktiv, die, die beten und Gott etwas mitteilen, und Gott würde passiv unsere Gebete empfangen.

Wenn wir aber ernst nehmen, was wir vorhin sagten, nämlich, dass wir Menschen im Unterschied zu Gott vergängliche Wesen sind, dass wir durch die Situation der Sünde, in der die ganze Schöpfung lebt, beeinträchtigt sind, und dass wir deshalb gar nicht in der Lage sind, Gott gemäss zu beten, dann führt diese Deutung in eine Sackgasse. Denn, wenn wir gar nicht fähig sind zu beten, gibt es auch nichts zu vermitteln. Nein, nicht wir beten, sondern Gottes Geist selbst betet in uns und durch uns zu Gott. Er ist auch da aktiv. Noch zugespitzter: Gott betet durch uns und in uns zu sich selbst. Gott nimmt uns ins Gebet. – Da müssen wir uns ein wenig Zeit nehmen, um diesen Satz zu kauen, zu drehen und zu verdauen: Gott betet durch uns und in uns zu sich selbst.

Gott betet zu sich selbst; Gott, als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist mit sich in einem ewigen Gespräch. Denken wir an Jesu Gespräche mit seinem Vater, von denen uns die Evangelien berichten. Oder an das Buch „Die Hütte“, in dem dieses Miteinander-im-Gespräch-Sein sehr plastisch und anschaulich – natürlich auch auf sehr menschliche Weise – dargestellt ist.

Gott spricht über alles, was ihn bewegt und beschäftigt. Von der wunderbar geschaffenen Schöpfung spricht er, von seiner herrlichen Welt, und freut sich darüber. Und von seiner unendlichen, unverbrüchlichen Liebe zu allen Geschöpfen, besonders zu den Menschen, redet er. Immer und immer wieder. Auch vom Elend und der Not auf der Erde. Er hört das Seufzen der Geschöpfe und leidet mit. Darüber klagt er und schreit – bleibt dabei aber nicht stehen. Die Sehnsucht der Geschöpfe nach Befreiung ist auch seine Sehnsucht. Er hat ein Ziel vor Augen und einen Plan, um das Ziel zu erreichen. Auch darüber redet er: Alles wird einmal frei sein von Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit, alles wird neu. Die Befreiung, die Erlösung der Schöpfung ist darum ein zentrales Gesprächsthema von Gott. Dies ein Einblick in das, was Gott beschäftigt, und worüber er spricht.

Gott nimmt uns ins Gebet – in dieses Gespräch hinein nimmt uns Gott. Er gibt uns Einblick in sein Herz, in das, was ihn bewegt, und wir erkennen das, was ihm wichtig ist, seinen Willen. Machen wir uns bewusst: Unsere Gebete, die Gottes Geist in uns betet, sind Teil von Gottes Gespräch! Vielleicht wird uns jetzt klar: Wenn das so ist, dann ist das, was wir sagen, unsere Worte, unsere Gedanken, und ob wir ‚schön‘ beten oder nur stottern gar nicht mehr wichtig. Eben wir dürfen ja stottern, wir brauchen nicht zu wissen, was und wie wir beten sollen. Entscheidend ist, ob wir uns in das Gespräch Gottes hineinziehen lassen, ob wir es Gottes Geist erlauben, in uns und durch uns zu reden, ob wir uns Zeit nehmen, hinhören und einstimmen in Gottes Beten.

Wie kann das praktisch geschehen? Wer selber nur immer drauflosredet, wird Gottes Reden – wenn überhaupt – nur schwer hören. Fangen wir also an, lieber weniger Worte zu machen als mehr und bei unserem Beten auch einmal still zu lauschen. Was wir denken und meinen, wissen und wollen, wünschen und ersehnen, haben und können, rückt dann immer mehr in den Hintergrund. Und plötzlich geschieht es, dass wir Gott in uns beten hören, dass Gottes Geist neue, Gottes Anliegen und Gedanken in uns hineinlegt, Gedanken, die auf die Befreiung aller seiner Geschöpfe und auf die Überwindung allen Leides zielen, Gedanken auch, die uns, unser Denken, Wollen und Handeln mit der Zeit verwandeln und uns befähigen, mit Gott zusammen auf sein Ziel hinzuarbeiten.

Das ist die Art, wie Gottes Geist für uns einsteht: Er nimmt uns ins Gebet, zieht uns hinein in Gottes Gespräch mit sich. So stellt er die abgebrochene Verbindung zwischen uns und Gott wieder her. So beschenkt er uns immer neu mit dem Beten, wie es Gott entspricht. Das ist Beten, das sich dem Beten von Gottes Geist anvertraut und sich von ihm leiten lässt. Das Schwere und Demütigende – vor allem für uns Erwachsene – an solchem Beten ist – und jetzt zitiere ich –, dass „all die unfromme Einbildung, die meint, schön und geistvoll und gottgefällig beten zu können, in Trümmer [geht]. Aber es ist gut, wenn uns dieser Stolz zerbrochen wird. An solchem Zerbrechen vorbei gibt es kein geistliches Wachstum. Die Stunden, in denen wir so sehr gequält sind, dass auch unser gewohntes Beten zusammenbricht, haben eine besondere Verheissung. Unser gelerntes Beten kann unterbrochen werden, es mag sogar völlig zerbrechen. Der Geist Gottes in uns aber kennt in seinem Beten keine Unterbrechung. Sein Seufzen bleibt, bis es sein Ziel erreicht, und es wird sein Ziel erreichen.“

(Deichgräber, R.: Wachsende Ringe, 32)

Amen.

Bekenntnis & Gebet

Ich glaube an den Heiligen Geist.
Ich glaube, dass er mir neue Liebe zum Gebet geben kann.
Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
Ich glaube, dass er mir ein betendes Herz geben kann.
Ich glaube, dass er mir Stille schenken kann.
Ich glaube, dass er mir hörende Ohren und sehende Augen geben kann.
Ich glaube, dass er mir Gottes Gedanken zeigen kann.
Ich glaube, dass er mich durchdringen und verwandeln kann.
Ich glaube, dass er mir Phantasie zur Liebe geben kann.
Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.
Ich glaube, dass er in mir zum Vater beten kann.
Ich glaube an den Heiligen Geist.
Komm, Heiliger Geist, erfülle mich.
Amen.

14. Mai 2010 / Pfr. Stefan Zürcher