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Evangelisch methodistische Kirche Rüti - Wald - Hombrechtikon |
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IWir haben uns bereits in zwei Predigten gefragt: Wie erkennen wir, dass der Heilige Geist in der Gemeinde, in und durch die Menschen die in der Gemeinde mitarbeiten, wirkt? Um es an einem Beispiel konkret zu machen: Es ist eine wichtige Aufgabe der ganzen Gemeinde zu prüfen: Ist es Gottes Geist, der im Gemeindeleitungsteam wirkt? Oder ist es bloss der Menschengeist seiner Mitglieder? Die gleiche Frage stellt sich auch im Blick auf unsere Prediger: Tun sie ihren Verkündigungsdienst in der Kraft des Geistes Gottes oder in ihrer eigenen? Dies zu prüfen, helfen uns die beiden Kennzeichen, die wir in den letzten beiden Predigten dieser Reihe kennengelernt haben: (1) Spürt und sieht man, dass diese Personen sich in ihrem Leben ganz auf Christus ausrichten und fragen, was Gott mit ihnen, mit uns, will? Geschieht das, was sie tun, im Blick auf Jesus Christus? (2) Und tun sie es in und aus Liebe? Tun sie es nicht nur für sich selber, sondern im Blick auf andere, um zu dienen? Das dritte Kennzeichen nun, das wir heute ansehen wollen, ist die Auferbauung der Gemeinde, denn: „Trachtet nach dem, was der Auferbauung der Gemeinde dient“. Dabei geht es nicht nur um die Ortsgemeinde, sondern um die weltweite Gemeinde Jesu Christi, die aber natürlich hier, lokal sichtbar wird. Setzen wir unsere Gaben so ein, dass Gemeinde gebaut wird? Auch heute gehen wir von Paulus und seinem Brief an die Korinther, Kapitel 12-14, aus: In der Gemeinde dort gab es Streit wegen den Gaben. Eine Gruppe, die besondere Gaben und ekstatische Begleiterscheinungen erlebt hat, hat diese als Kriterium genommen und gesagt: Diese sind das Zeichen dafür, dass Gott durch seinen Geist bei uns ist. Paulus sagt ihnen aber: ‚Geht doch mal zu den Heiden, da passiert genau dasselbe...’ Offenbar kann dies nicht das Kennzeichen sein. Genau deshalb zählt er danch diese Kennzeichen auf: „Über die Gaben des Geistes aber will ich euch, liebe Brüder, nicht in Unwissenheit lassen“ (1. Korinther 12,1). Paulus will also ein paar Dinge klarstellen.
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II„Die uns zugeteilten Gnadengaben sind verschieden, der Geist jedoch ist derselbe. Die Dienste sind verschieden, der Herr aber ist derselbe. Das Wirken der Kräfte ist verschieden, Gott jedoch ist derselbe, der alles in allen wirkt.“ (1. Kor 12,4-6). Paulus braucht hier drei verschiedene Begriffe um die Geistesgaben zu umschreiben: - Gnadengaben (charismata): Da betont er den Geschenk-Charakter der Gnadengaben. Sie sind kein Besitz. Gott teilt diese Geschenke zu, ganz wie er will.
- Dienste (diakoniai): Gaben sind Werkzeuge; sie haben mit Dienst zu tun; Gaben sind Werkzeuge für den Dienst in der Gemeinde und Hilfen für ein Leben im Glauben.
- Kräfte (energemata): Da steckt das Wort ‚Energie’ dahinter; Gaben sind Kräfte, die von Gott kommen; durch sie setzt Gott etwas in Bewegung.
Paulus beschreibt drei Seiten derselben Sache; er beschreibt die Gaben des Geistes aus drei Perspektiven. Sie alle gehören zusammen. Alle drei Ausdrücke beschreiben die geistlichen Gaben. Das ganze Alte und Neue Testament ist voll von Erzählungen von Dingen, die Gott uns schenkt. Zuerst natürlich die Vergebung in Jesus Christus und das ewige Leben. Das ist das grosse Grundgeschenk. Das ewige Leben ist aber auch schon mit diesem Leben verbunden – und die Gnadengaben sind quasi die Ausrüstung für dieses Leben. Gott nimmt uns in den Dienst, er gibt uns eine Aufgabe: Wir haben ja selber einen Bauplatz im Haus. Einige haben gestern im Dachgeschoss Balken gebürstet. Irgendwann habt ihr eine Bürste gefasst, um die Balken sauber zu machen. Mit dem Werkzeug war also eine bestimmte Aufgabe verbunden, mit der ihr euch beschäftigt habt. Das ist ein Bild: Gaben sind Werkzeuge. In der Werkzeugkiste nützt ein Werkzeug nichts. Sie wollen eingesetzt werden, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Jeder Gabe entspricht eine Aufgabe beim Bau des Reiches Gottes: Gott hat diese Gaben dazu bestimmt, dass Aufgaben damit getan werden. Es ist Verpflichtung und Verantwortung zugleich – das ist nicht immer so einfach, das ist manchmal streng. Aber es bietet auch ein Recht, das Recht auf einen bestimmten Platz und eine Aufgabe! Einen Ort, wo wir die Gaben entfalten und die Arbeit mittragen und mitgestalten können. Im Unterschied zu unserer Arbeitswelt gibt es im Reich Gottes keine Arbeitslosigkeit! – Das sage ich nicht, weil es viele Aufgaben gibt, und wir immer Mitarbeiter suchen, sondern weil es für alle einen Platz hat. Es gibt niemanden, der überflüssig ist. Und wer das im Arbeitsleben schon einmal erlebt hat, überflüssig zu sein, kann noch besser nachvollziehen, was das bedeutet.
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IIIPaulus braucht im Zusammenhang mit den Gaben immer wieder das Bild vom Leib und den Gliedern, die nur gemeinsam etwas bewirken können. Deshalb stellt sich die Frage, wofür denn diese Gaben sind. „Da ihr ja nach den Geistesgaben strebt, sucht darin zur Erbauung der Gemeinde immer reicher zu werden“ (1. Kor 14,12; W. Schrage, EKK). Das ist der Zweck der Geistesgaben, dass Gemeinde gebaut wird. Gaben sind nicht zur Selbsterbauung oder Machtausübung da, sondern zum Aufbau der Gemeinde, und um sich gegenseitig zu stärken. Gaben sind einander zugeordnet, sie gehören nicht dem einzelnen Begabten, sie sind kein Privatbesitz, sie gehören der ganzen Gemeinde. Deshalb sind wir verantwortlich gegenüber den andern, was wir mit diesen Gaben machen. Ich möchte auch das mit einem Bild verdeutlichen: Ich habe verschiedene Werkzeuge mitgenommen, die ich einzelnen von euch verteile. Einige haben eine Gabe, andere zwei, manche drei. Es braucht einen gemeinsamen Bauplatz, einen Ort, wo wir zusammenkommen und schauen, wer was kann. Keiner kann alles, aber jeder kann mindestens etwas. Man könnte das Ding – das Werkzeug resp. die Gabe, zu Hause lagern, oder allein mit seinem Werkzeug zu Hause ein Zimmer auszubauen probieren – mit nur einem Hammer kommt man allerdings nicht weit. Doch gemeinsam ist es möglich. Den Dachstock in unserer Kapelle ausbauen, können wir, nämlich zusammen, mit unseren verschiedenen Werkzeugen. Alleine ist man verloren, gibt es keinen Fortschritt, keinen Erfolg. Man hat bald den Verleider und legt sein Werkzeug weg. Zusammen aber werden wir erleben, wie es vorwärts geht, wie Gemeinde gebaut wird – nicht nur zahlenmässig –, wie das Reich Gottes wächst, auch ausserhalb der Ortsgemeinde, z. B. in der Mission. Und dort, wo es geschieht, wächst auch die Freude am Ganzen – wenn die Werkzeuge dort eingesetzt werden, wo sie hingehören. Wisst ihr übrigens, welche die wichtigste Gabe ist? Nicht irgendeine bestimmte, sondern immer diejenige, die es gerade braucht! Das dritte Kennzeichen könnte man so zusammenfassen: Dort, wo Menschen ihre verschiedenen Gaben zum Aufbau der Gemeinde einsetzen und mithelfen, die Mission der Gemeinde zu erfüllen, dort ist Gottes Geist am Werk! Ich könnte mir vorstellen, dass es in diesem Zusammenhang viele persönliche Gedanken, Fragen oder auch Nöte gibt. Das zu besprechen, ist hier nicht möglich. Vielleicht im Gabenseminar oder sonst an einem Ort. Vielleicht merkst du: Ich setze die erhaltenen Gaben gar nicht oder jedenfalls nicht für die Gemeinde ein, sondern nur für eigene Zwecke, obwohl Gott sie mir dazu gegeben hat. Oder du spürst: Es entspricht nicht der Idee Gottes, wie ich mit meinen Gaben umgehe. Ich lade dich ein, Gott um Klarheit zu bitten, Klarheit darüber, wo dein Platz ist. Wenn du merkst, dass du verkehrt mit deinen Gaben umgehst, bitte um Vergebung. Und bitte um Liebe zur Gemeinde. Damit du bereit und offen wirst, ein Werkzeug von Gott in und für die Gemeinde zu sein, im Reich von Gott.
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IVWir haben nun drei Kennzeichen kennengelernt, mit deren Hilfe wir erkennen, wo Gottes Geist am Werk ist: Die innere Ausrichtung auf Christus, die Liebe und die Auferbauung der Gemeinde. Entsprechend dieser drei Kennzeichen wollen wir – als Gemeinde, aber auch als Gemeindeteam – über die Gaben nachdenken und uns nach ihnen ausstrecken, uns überlegen, was wir nötig haben und die erhaltenen Gaben entsprechend der Kennzeichen einsetzen.
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Stefan Zürcher, Pfr. - 19. Oktober 2007 |
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