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Erlöst durch Jesus Christus

Erneuerung von innen nach aussen, Einheit 5


Bibeltext: Jesaja 44,21-24; 2. Thessalonicher 1,3-12

Dank für die Erlösten
Vers 3
Wir müssen Gott euretwegen immer danken, Brüder, wie es recht ist, denn euer Glaube wächst, und die gegenseitige Liebe nimmt bei euch allen zu.
Ein alter Mann um die 90 hat einmal zu mir gesagt: ‚Weißt du, wenn ich an meine Frau denke, muss ich einfach immer Gott danken!’ Daran wurde ich beim Lesen von V.3 erinnert. War das nicht eine wunderbare Art, wie er seine Wertschätzung gegenüber seiner Frau ausdrückte?
Genauso gross finde ich es, wie Paulus in unserem Text die Gemeinde anspricht: „Wir müssen Gott euretwegen immer danken“. Das ist doch etwas vom Schönsten zu hören: ‚Wenn ich an euch denke, muss ich einfach immer Gott danken! Ich kann gar nicht anders’?
Gott danken für die Gemeinde! Was wir als Gemeinde, als Tanner-Gemeinde sind, verdanken wir Gott. Wieviele Menschen, Kinder und Erwachsene, haben doch im Laufe der Jahrzehnte in unserer Gemeinde Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser kennengelernt. Wieviele sind es wohl? – Das hat Gott getan! Wieviele Menschen sind in unserer Gemeinde in der Nachfolge Jesu gewachsen. Aus feinen Glaubenssetzlingen wurden starke Glaubensbäume, und in ihrem Schutz konnten wieder andere heranwachsen. – Das hat Gott getan. Wieviele Menschen wurden in unserer Gemeinde liebevoll aufgenommen und wurden so selber zu Liebenden. – Das hat Gott getan. Gott braucht diese Gemeinde, um uns im Glauben und in der Liebe wachsen und reifen zu lassen. Ich erlebe es so. Das ist Grund, ihm von ganzem Herzen zu danken: Danke, himmlischer Vater! Danke vielmal.
Übrigens, dass Paulus nicht eine perfekte Gemeinde vor sich hatte – wie wir ja auch nicht –, zeigen die weiteren Kapitel im 2. Thess. Trotzdem musste er Gott immer danken für sie.

Vers 4
Wir können in den Gemeinden Gottes mit Stolz auf euch hinweisen, weil ihr im Glauben standhaft bleibt bei aller Verfolgung und Bedrängnis, die ihr zu ertragen habt.
Nicht nur dass die Gemeindeglieder im Glauben und in der Liebe wachsen, erfüllt Paulus mit Stolz, sondern auch dass sie trotz Verfolgung und Repressalien von aussen am Glauben festhalten. Ihre Geduld und ihr Dranbleiben sind vorbildlich. Was genau wir uns unter dieser Verfolgungssituation zu verstehen haben, wissen wir nicht. Und auch wenn wir es wüssten, könnten sich wohl die wenigsten etwas darunter vorstellen, da wir in einer ganz anderen Situation leben. Wir werden wegen unserem Glauben von niemandem ernsthaft bedrängt, unter Druck gesetzt oder bedroht. Im Gegenteil, alles ist möglich, alles hat Platz, jeder kann glauben, was er will, und seinen Glauben leben, wie er will, solange er sich an die gesellschaftlich anerkannten Normen hält. Glaube ist Privatsache; da redet einem niemand rein.
Manchmal denke ich, das bedrängt uns, das ist unsere Not. Nicht die Ausgrenzung, sondern die Grenzenlosigkeit. Die schier unbegrenzten Möglichkeiten – schon nur im christlichen Sektor. All die Angebote. Die unendliche Weite, die sich vor uns auftut, und damit die Gefahr, sich darin zu verlieren und plötzlich alleine dazustehen. Die Gemeinde wird nicht zusammengedrängt, sondern auseinandergezogen. – Ich stelle mir das ganz bildlich vor. – Und dann entsteht im Innern ein Hohlraum, eine Leere, Verbindungen reissen, und es wir kalt.
Geborgenheit fehlt, Beziehungen tragen nicht mehr, du stehst immer einsamer da. Das sind die Folgen.
Am Glauben festzuhalten heisst dann, immer wieder zusammenfinden, sich immer wieder bewusst machen, was unsere gemeinsame Mitte ist – der Erlöser Jesus Christus und sein Sendungsauftrag – und sich auf einen gemeinsamen Weg einigen. Konkret heisst dies zB, viel miteinander reden und Antworten auf all diese Fragen suchen. Enge Beziehungen pflegen und an ihnen arbeiten, zB in den Kleingruppen. Aber auch nach neuen Wegen suchen, wie wir in der Öffentlichkeit sichtbar unseren gemeinsamen Glauben leben können. – Das damit wir nicht auseinandergerissen werden.

Gerechter Lohn für die Erlösten und die Nichterlösten
Vers 5
Dies ist ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes; ihr sollt ja des Reiches Gottes teilhaftig werden, für das ihr leidet.
Dass die Gemeinde bedrängt und verfolgt wird und sich trotzdem nicht vom Glauben abbringen lässt, sondern dem Druck standhält, ist für Paulus ein sichtbares Zeichen dafür, dass der gerechte Lohn bereit steht. Und der Lohn heisst Eintritt in Gottes Reich. Die Menschen dieser Gemeinde sind Erlöste, Gerettete. Die Tür zum Gottesreich wird für sie einmal offen stehen. An Gottes Gericht führt auch für die Glieder der Gemeinde kein Weg vorbei, aber der Ausgang ist klar: ewige Gemeinschaft mit Gott.
Das ist für uns nicht anders. Wo wir um unseren Zusammenhalt kämpfen, wo wir den Fliehkräften, die uns auseinanderreissen möchten, widerstehen, wo Gott uns Gelingen schenkt, da dürfen wir einen Hinweis darauf sehen, dass dieser Kampf auch für uns einmal zu ende sein wird und wir in ungefährdeter Gemeinschaft mit Gott und miteinander werden leben dürfen – für immer, in Gottes neuer Welt.

Vers 6.7
Denn es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen, euch aber, den Bedrängten, zusammen mit uns Ruhe zu schenken, wenn Jesus, der Herr, sich vom Himmel her offenbart mit seinen mächtigen Engeln in loderndem Feuer.
Für die Gemeinde und Paulus ist klar, dass auch die, die Gemeinde bedrängen, ihren gerechten Lohn erhalten werden. Sie werden für ihr Verhalten leiden müssen. Das wird ihre Strafe sein. Scharf wird hier unterschieden zwischen den Bedrängten, das ist die Gemeinde, und den Bedrängern. Diese stehen ausserhalb der Gemeinde. Eine eindeutige, klare Grenze scheint sie zu trennen. Paulus will mit diesem Ausblick die verfolgte Gemeinde trösten und ermutigen. Jeder wird vom himmlischen Richter seinen gerechten Lohn für seine Taten erhalten, auch die da draussen.
Was löst dieser Trostversuch bei uns aus? Mich beruhigt dieser Ausblick nicht. Warum? Weil ich in unserer heutigen Situation nicht so absolut sagen kann, wer denn nun zu den Bedrängern und wer zu den Bedrängten gehört, wer zu den Rechten bzw. zu den Unrechten.
Ein Beispiel: Nicht die ausserhalb machen uns als Gemeinde doch das Leben schwer. Die allermeisten bedrängenden Situationen – Konflikte, Rangeleien um Einfluss und Macht – sind doch hausgemacht, ausgelöst durch Menschen innerhalb unserer Gemeinde, durch Menschen wie mich und dich, die doch auch mit Gott leben.
Ich selbst habe also auch meine Portion Dreck am Stecken. Plötzlich zeigen die Finger auf mich. Plötzlich sehe ich mich zu recht auch Gott gegenüber auf der Anklagebank sitzen.
Alles andere als eine tröstliche, beruhigende Aussicht! Eine Aussicht aber, die uns heilsam verunsichern kann, da nämlich, wo wir in der Gefahr stehen, uns auf uns selbst, auf das, was wir vor den Menschen sind, was wir haben und tun, zu verlassen. Damit fallen wir vor Gott immer durch. Keine Chance. So gesehen ist sonnenklar, was für ein Lohn uns einmal erwartet: ewiges Verderben.
Aber damit ist eben noch nicht alles gesagt, gerade das wichtigste nicht. Denn jetzt werden wir auf den verwiesen, der uns erlösen kann: auf „Jesus, den Herrn, der sich vom Himmel her offenbart“. Er spricht uns nämlich von der Anklage frei. Wer ihn zum Verteidiger hat, kann mit einem positiven Ausgang rechnen. Das ist sicher. Weil er der Erlöser ist, Wort hält und uns die ersehnte Ruhe schenkt. Wir finden keine Ruhe, aber Christus schenkt sie uns. Er schenkt uns Entspannung in der Anspannung, Entlastung in der Belastung, Freiheit in der Unfreiheit, Aufatmen im Ausseratemsein – endgültig, für immer. Mit Ruhe ist eine tiefe, menschliche Sehnsucht angesprochen. Davon sprach Jesus, als er sagte: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 1,29). Von ihm, dem Erlöser und Richter vom Himmel her, wird diese Ruhe kommen.

Vers 8
Dann übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium Jesu, unseres Herrn, nicht gehorchen.
Von Vergeltung war in diesem Text schon mehrfach die Rede. Diesen Begriff verstehen wir nur vor dem Hintergrund des AT richtig. Vergeltung meint nicht Rache. Wenn Gott Vergeltung übt, überlässt Gott einen Menschen einfach nur den Folgen seines eigenen Handelns. Eine schlechte Tat hat für das Umfeld negative Auswirkungen. Und die bekommt auch der Täter selber zu spüren. „Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, wer einen Stein hochwälzt, auf den rollt er zurück“, sagt das bekannte Sprichtwort (26,27) und weist genau auf diesen Zusammenhang hin. Etwas salopper: Gott lässt uns die Suppe, die wir uns einbrocken, selber auslöffeln. Das meint Vergeltung.
Wenn nun jemand Jesu Einladung, mit ihm in Beziehung zu leben, ablehnt, dann nimmt Jesus diese Entscheidung ernst. Die selbstgewählte und von Gott bestätigte Folge ist ein Leben in der Gottferne für immer. Alle Nichtglaubenden – und die sind gemeint, wenn es heisst, „die Gott nicht kennen und dem Evangelium Jesu nicht gehorchen“ –, haben sich genau dafür entschieden. Sie haben sich dafür entschieden, auf den Dienst des Erlösers zu verzichten und es auf der Gerichtsbank selber zu versuchen. Doch damit haben sie ihr Urteil besiegelt.

Vers 9
Fern vom Angesicht des Herrn und von seiner Macht und Herrlichkeit müssen sie sein, mit ewigem Verderben werden sie bestraft,
Ewiges Verderben, das ist die Strafe, die alle Nichtglaubenden zu erwarten haben, lesen wir. Was könnte damit gemeint sein?
Vorhin habe ich von einem Leben in der Gottferne für immer gesprochen. Ich habe von einem erschreckenden Forschungsprojekt gelesen, das allerdings schon Jahrzehnte zurückliegt. Es wurde untersucht, wie sich der Entzug menschlicher Zuwendung auf Säuglinge auswirkt. Nur um ihnen den Schoppen zu geben und für die Körperpflege bekamen sie Menschen zu Gesicht. Sie wurden aber nie auf den Arm genommen, und die Pflegerinnen durften ihnen auch sonst keine Zärtlichkeit schenken. Wenn ich mich recht erinnere, starben die ersten Babys schon nach kurzer Zeit einfach aus Mangel an Zuwendung.
Gott hat uns mit einem tiefen Bedürfnis nach Gemeinschaft geschaffen, und nur die Zuwendung, die Liebe Gottes, die Beziehung zwischen Gott und Mensch kann diese Sehnsucht stillen. Wer die Gemeinschaft mit Gott ablehnt und sich für das Für-sich-allein-Bleiben entscheidet, sägt den Ast, auf dem er sitzt, ab. Seine selbstgewählte Isolation ist sein Tod, sein Verderben. So stelle ich mir die Hölle vor: niemand ist da, nur ich, ich, ich. Kein anderer Mensch und auch nicht Gott. Da geht jeder zu Grunde.
Doch das soll nach Gottes Willen nicht sein. Niemand muss allein bleiben. Mit Jesus steht die Tür zum Himmelreich für alle offen.

Vers 10
…wenn er an jenem Tag kommt, um inmitten seiner Heiligen gefeiert und im Kreis aller derer bewundert zu werden, die den Glauben angenommen haben; auch bei euch hat ja unser Zeugnis Glauben gefunden.
Das will Jesus Christus, wenn er kommt: zu seiner Ehre ein herrliches Fest feiern inmitten der Menschen, die an ihn glauben und ihm vertrauen. Ein Fest mit seinen Freunde, mit den Erlösten.
In diesen Wochen habe ich auch bei Fussballspielen unserer Nati mitgefiebert. Und da wurde für mich dann ganz plastisch, was in diesem Vers gemeint ist. Wie riesig war der Jubel, wenn sie gewonnen hatten, oder auch als sie in die Schweiz zurückkehrten und in Kloten empfangen wurden. Wie wurden sie da bewundert und geehrt. Es war ganz interessant zu verfolgen, wie in einzelnen Interviews auf deutschen Sendern plötzlich die ganze Schweiz ins Blickfeld kam und ganz gut wegkam. Etwas von der Ehre und Bewunderung der Mannschaft, übertrug sich auf das ganze Land. Ich habe zwar keine Fahnen aufgehängt, aber gefreut, dass ich dazu gehöre, habe ich mich schon auch. Ich habe mich geehrt gefühlt.
Damit will ich sagen, wenn Jesus dann einmal kommt und im Kreis seiner Freunde gefeiert, bewundert, verherrlicht, geehrt wird, dann gehört etwas von dieser Ehre auch seinen Freunden. Dass sie bei diesem Fest dabei sind, ist eine grosse Ehre für sie. Dass der Herr mit ihnen feiert, macht sie gross. So zeigt Gott noch einmal sein unverbrüchliches Ja zu den Menschen, die treu zu ihm stehen.

Fürbitte für die Erlösten
Vers 11
Darum beten wir auch immer für euch, daß unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und jedes Werk des Glaubens vollende.
Für alle, die Gott vertrauen und ihm treu sind, steht die Tür zum Himmel offen. Der Himmel freut sich auf uns. Wir werden zum Fest erwartet! Aber noch ist es nicht so weit. Noch leben wir hier, und unser Glaube ist gefährdet. Die Gemeinschaft ist gefährdet. Wir haben davon gesprochen. Wie gut, dass wir das Gott hinlegen und ihn um Hilfe bitten dürfen. Wie gut, dass wir ihn bitten dürfen, uns und unsere Gemeinde festzuhalten, unseren Glauben stark und auch tatkräftig zu machen. Wo wir ihn so bitten, wird es nicht bei leeren Worten und beim guten Willen bleiben. Da wird die Liebe tätig und manch Gutes geschieht zur Ehre Gottes.
Ja, Gott, halt uns fest bei dir. Mach unseren Glauben und unser Vertrauen stark. Du willst nicht, dass wir verderben, du willst, dass wir leben. Du willst nicht, dass auch nur ein einziger Mensch verloren geht. Darum bitten wir dich, lehr uns deinen Willen erkennen und das Gute tun. Das fällt uns schwer, jetzt, wo scheinbar fast alles möglich und in Ordnung ist. Schenk deiner Gemeinde Halt in dir und Zusammenhalt untereinander. Öffne uns die Augen für die, die einsam geworden sind, und mach uns bereit, ihnen zu Nächsten zu werden. Mache uns zu glaubwürdigen Zeugen für alle die, die von dir nichts wissen wollen. Hilf uns allen. Schenke es, dass unsere Liebe zu dir und zueinander in Wort und Tat gross wird, damit alles, was wir sind, haben und tun dich gross macht, Jesus Christus, unser Herr. Amen.

Vers12
So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Herrn Jesus Christus.
Amen.

Stefan Zürcher, Pfr. - 2. /30. Juli 2006