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Evangelisch methodistische Kirche Rüti - Wald - Hombrechtikon |
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Wenn einem der ‚Pfuus’ ausgeht – neuer Schwung |
Bibeltexte: Jes 50,4-9; Mk 11,1-11
„Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Laßt uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Denkt an den, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat; dann werdet ihr nicht ermatten und den Mut nicht verlieren.“
Hebr. 12,1-3
Kennt ihr sie auch, die Frühlingsmüdigkeit? Statt wie die erwachende Natur einen Energieschub zu spüren, fühlt man sich ganz schlapp und müde. Von Unternehmungslust, von Power keine Spur. Am liebsten möchte man sich unter die kuschelige Bettdecke verkriechen oder gar nicht erst hervorkommen.
Offenbar hat das mit dem Hormonhaushalt zu tun. Unser Körper produziert im Winter, also in der dunklen Jahreszeit mehr Schlafhormon. Jetzt im Frühling hat er Mühe mit den neuen Lichtverhältnissen und der Umstellung und tickt immer noch im Wintertakt.
Was tun? Fachleute raten, nicht die Bettdecke über den Kopf ziehen und weiter schlafen, sondern sich aufraffen. Bewegung heisse das Schlüsselwort zum Überwinden des Energielochs. Walken, joggen oder spazieren – und dabei gerade noch den Winterspeck loswerden. Ein weiteres Gratisheilmittel gegen das Formtief sei Tageslicht. Hinaus an die frische Luft! Natürliches Licht bewirke, dass die Schlafhormonproduktion zurückgehe und das Schlafbedürfnis abnehme. Statt sich in kuscheliger Dämmerung zu verkriechen, sollten Frühlingsmüde deshalb so oft wie möglich nach draussen gehen.
Mich dünkt es, die Leserinnen und Leser des Hebräerbriefes leiden auch an einer Art Frühlingsmüdigkeit. Diese Müdigkeit hat zwar wenig mit Jahreszeiten zu tun, höchstens mit geistlichen. Aber die Leute kommen auch nicht so recht auf Touren wie Frühlingsmüde. Im Gegenteil, sie würden sich am liebsten unter der warmen Bettdecke verkriechen. Dabei stehen sie in der Gefahr schlapp und schläpper zu werden, den Frühling zu verschlafen.
Aber – und das ist so gut an diesem Text – der Briefschreiber kennt eine wirkungsvolle Therapie: ans Licht, bewegen und dabei gerade noch die überflüssigen Kilo loswerden. Da müssen die Schlafhormone verschwinden. Da kann die Müdigkeit nicht lange standhalten. Die Müden werden munter. Neuer Schwung erfasst die Gemeindeglieder für ihren Glaubenswettlauf. Dieser Text ist ein echter Aufsteller! Ein Muntermacher!
Dieser Therapie wollen wir jetzt auf die Spur kommen:
1. In der Müdigkeit – vom Licht angeschienen
2. Hinabgedrückt von Ballast – Befreiung
3. Mit neuem Schwung dem Ziel entgegen
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1. In der Müdigkeit – vom Licht angeschienen |
Die Gemeinde, an die der Hebräerbrief geschrieben wurde, fängt an, im Glauben müde zu werden. Der Pfuus geht ihr langsam aus. Sie steckt in einem Energieloch. Sicher sind sie auch auf Widerstand ausserhalb der Gemeinden gestossen. Die Christen waren für ihre Mitbürger ein sonderbares Völklein. Sie mussten mit Spott und Ablehnung leben lernen. Das kostete natürlich Kraft.
Aber ermüdender war die innere Situation. Jesus kam nicht wie erwartet wieder. Man verlor das Ziel und die Hoffnung mehr und mehr aus den Augen und damit den anfänglichen Schwung, die Begeisterung, die Freude am Christsein. Alles wurde so schwer.
Und dann hat sich da mit der Zeit auch allerlei Ballast angesammelt, und diese und jene Sünde hat sich eingeschlichen. Keine grossen Dinge. Einfach so dies und das. Die Sorge um das tägliche Auskommen, die Finanzen vielleicht. Eine nicht bereinigte Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen, ein Konflikt. Uneinigkeit in der Ausrichtung der Gemeindearbeit. Unklarheit darüber, wie in der Gemeinde mit Menschen, die nicht den gängigen christlichen Moralvorstellungen entsprechend leben, umzugehen sei. Unbeständigkeit in der Teilnahme am Gemeindeleben oder Gottesdienst.
Viele kleinere Dinge setzten sich fest wie Klebern. Man merkt es kaum. Aber sie hemmen das Vorwärtskommen. Sie werden zu einer Last. Man verheddert sich immer wieder darin, stolpert. Das alles kostet viel Kraft und nimmt den Blick mehr und mehr gefangen.
Aber gerade in dieser gefährlichen Situation wird klar – und das berührt mich: Jesus ist und bleibt der Urheber und Vollender des Glaubens, der Anfänger und der Ans-Ziel-Bringer. Dieser hemmende Ballast und die Sünden, die uns so leicht fesseln, heben die Tatsache nicht auf, dass er uns und unseren Glauben vom Anfang bis zum Ende trägt, dass alles an Jesus hängt. Dass wir zum Glauben gekommen sind, hängt an ihm, und dass wir im Glauben zum Ziel kommen, hängt an ihm. Wir stehen in seinem Licht. Die Gemeinde – vom Licht angeschienen!
Alles fängt mit Jesus an! Er reitet auf einem Esel unter Jubelrufen nach Jerusalem: „Hosanna, gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.“ In Jerusalem leidet er aber dann, fürchterlich leidet er, am Kreuz. Man bringt ihn um. Er lässt es geschehen. Damit wir mit Gott zusammen kommen. Er trägt unsere Lasten und unsere Schuld weg und streckt uns die Hand zum Frieden entgegen. Er hält aus und gibt nicht auf. Wegen dem Siegesfest, das er vor sich sieht, wegen der Freude im Himmel und auf Erden darüber, dass Gott und die Menschen zusammen kommen. Jetzt ist Glauben möglich. Danke, Jesus.
So fängt alles an, mit Jesus. Das heisst doch dann: Wir leben fern von Gott. Aber Jesus bringt uns mit Gott zusammen. Wir verlaufen uns. Aber er sucht und findet uns. Wir kennen den Weg zum Vater nicht. Aber er zeigt uns den Weg und geht uns voran. Wir verlieren ihn aus den Augen. Aber er behält uns im Blick. Wir werden müde. Aber Jesus gibt uns neue Kraft. Wir stolpern und möchten liegen bleiben. Aber Jesus hilft uns wieder auf die Beine, er ruft, spornt an, ermahnt, zieht. Wir sehen das Ziel nicht. Aber er lässt uns immer wieder einen Blick auf’s Ziel tun, auf’s Fest, auf die Freude, auf den Jubel am Ziel, auf den Siegerpreis.
Der Glaube fängt mit Jesus an, und er bringt ihn zum Ziel, wo uns eine herrliche Siegesfeier erwartet. Das ist doch ein absoluter Aufsteller! Wer möchte da die Bettdecke über die Ohren ziehen und Jesus auch für nur einen einzigen Augenblick aus den Augen lassen und damit das Ans-Ziel-Kommen auf’s Spiel setzen?! Was gibt es Besseres, als hinaus ans Licht und sich von ihm anscheinen lassen? Das gibt Schwung. So geht es voran.
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2. Hinabgedrückt von Ballast – Befreiung |
Wir haben es gesehen, allerlei Ballast und Sünden hemmen die Gemeinde des Hebräerbriefes in ihrem Wettlauf. Alles Dinge, die sich im Laufe der Monate und Jahre z.T. unmerklich angesammelt und festgehackt haben. Das bremst. Jeder Schritt strengt an. Der Wettlauf wird zu einem Krampf, zur Qual.
Wie hat es mich jeweils geärgert, wenn wir im Militärdienst mit Vollpackung auf die Märsche mussten. Die Riemen haben auf den Schultern eingeschnitten. Der Rücken hat geschmerzt und die Füsse gebrannt. Was für eine Entlastung, wenn wir den Rucksack einmal abgeben konnten „Wir wollen jede hemmende Last und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, ablegen.“ Was für eine Befreiung, wenn wir unseren Ballast ablegen! Es soll nicht sein, dass uns falsche Sorgen, Streitigkeiten, Gleichgültigkeit u.a. zu Boden drücken. Das darf nicht sein!
Du sollst frei werden. Du sollst aufatmen.
Noch einmal zurück zu meinen Märschen. Manchmal legten wir unsere Gewehre quer oben drauf zwischen Kopf und Rucksack. Dann konnten wir kaum noch nach vorne schauen und schon gar nicht mehr nach oben. Ich will dich etwas fragen: Spürst du manchmal auch, wie sich plötzlich eine Last auf dich schiebt, wie sie immer schwerer wird und dich mehr und mehr daran hindert, aufzuschauen zu Jesus? Du siehst nur noch die eigenen Füsse und den Boden unmittelbar vor dir, die nächsten ein zwei Meter vielleicht und sonst nichts mehr. Deine Mitmenschen nicht mehr, Jesus nicht mehr und schon gar nicht das Ziel. Du lebst abgekapselt in deiner kleinen, armseligen Welt. Du weißt, das kann nicht gut gehen. Das ist tödlich.
Höre, was Gott sagt: „Ich werde alle eure Schuld in die Tiefe des Meeres versenken“. Allen Ballast nimmt er von dir. Egal wie gross oder klein er ist, du darfst ihn ablegen. Jesus hat ihn am Kreuz auf sich genommen und weggetragen. Leg ihn ab, heute. Trage deine Last keinen Tag länger mit dir herum. Er macht dich kaputt. Du sollst wieder aufschauen können und das Ziel sehen.
Hinabgedrückt von Ballast – Befreiung. Ich habe es auch erfahren. Liebe Gemeinde, befreit von hemmenden Lasten und Sünden, so können wir aufschauen und vorwärts gehen.
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3. Mit neuem Schwung dem Ziel entgegen |
Draussen am Licht, die überflüssigen Kilos weg – das gibt neuen Schwung in unserem Glaubenswettlauf. Jesus erfüllt uns mit neuer Energie, damit wir das Ziel erreichen. Wir alle miteinander. Gott glaubt an uns, er traut uns zu, dass wir das Ziel erreichen, so wie schon die vielen Glaubenszeugen vor uns. Die Siegesfeier ist vorbereitet. Unsere Plätze sind reserviert. Gott erwartet uns, rechnet mit uns.
Leider können wir die uns geschenkte Kraft verschwenden, missbrauchen. Wie geschieht das meistens? Die Gemeinde vergisst, dass sie in die Welt gesandt ist, und beschäftigt sich so fest mit sich selbst, dass alle Energie versickert und sie kein Schritt weiterkommt. Einzelne Gemeindegruppen konzentrieren sich so stark darauf, dass sie es gut haben untereinander, dass sie den Anschluss an die übrige Mannschaft völlig verlieren und eine grosse Müdigkeit sich breit macht. Die Gemeindeglieder sehen nur das eigene Ich und die eigenen Wünsche. Die Bedürfnisbefriedigung und die damit verbundenen Reibereien fressen alle Energie auf. Das macht mit der Zeit unglaublich müde. Die Folge: das Ziel gerät immer mehr ausser Reichweite. Der Platz an der Siegesfeier droht leer zu bleiben.
Wie weiter? Davon, dass das Licht Jesu uns umgibt und uns anscheint, und davon, dass er von hemmenden Lasten und von Sünden, die uns umwickeln, befreit, wer sie ihm abgibt, haben wir schon gesprochen. Bewegung ist der dritte Ratschlag. „Lasst uns mit Ausdauer laufen.“ Jesus setzt uns in Bewegung, gibt uns Schwung.
Wisst ihr, was Jesus beim Durchhalten geholfen hat? Dass er die Festfreude vor sich gesehen hat, die vor ihm lag. Der Vater hat ihn erwartet. Die Engel haben ihn erwartet. Der ganze Himmel hat voller Freude auf ihn gewartet.
Und voller Freude warten sie auch auf uns und spornen uns an: Jesus, der Vater, die Engel, und auch alle, die vor uns gelebt und geglaubt haben. Unter ihnen sind z.B. meine Grosseltern oder meine Sonntagsschullehrerin, die mir viel bedeutet hat, andere für mein Glauben wichtige Personen aus der Solothurnergemeinde, Menschen aus unseren Gemeinden hier, Edwin R. z.B.
Eine grosse Freude erwartet uns. Einen Vorgeschmack können wir in unsere Zeit hineinholen. Wie denn? Machen wir einander doch Freude! Freude ist ein Stück Ewigkeit. Und alles, was einen Funken Ewigkeit enthält, tut unserer Seele gut, macht müde Seelen munter. Wir haben Hunger nach tiefer Freude.
Jesus gibt uns Schwung. So laufen wir dem Ziel entgegen. Oder müssten wir besser von Humpeln und Stolpern reden? Wir alle leiden dann und wann an Ermüdungserscheinungen, aber wir alle wollen ans Ziel. Darum hören wir auf, mit dem Finger aufeinander zu zeigen und über den Glauben des andern zu urteilen. Das bringt uns nicht voran. So lange wir leben und so lange es Gemeinde gibt, gibt es auch Ermüdungserscheinung. Das ist nicht die Frage. Die Frage heisst: Wie gehen wir um damit? Kein Boxen gegen den andern, sondern ein Ringen um ihn. So jedenfalls macht es Jesus. Er ermuntert, spornt an, motiviert, ermahnt, zieht uns. Er schubst und boxt nicht. Er ringt um uns.
So will ich das auch. Das ist für mich Gemeinde. Wer müde ist, den stützen wir. Wer umfällt, den richten wir auf. Wer durstig ist, bekommt unsere Trinkflasche. Wem die Last zu gross ist, dem nehmen wir etwas ab und gehen mit ihm zum Kreuz. Wer sich verlaufen hat, suchen wir und nehmen ihn in unsere Mitte. Wer das Ziel aus den Augen verloren hat, dem erzählen wir, was uns erwartet.
So kommen wir alle miteinander voran. Keiner geht vergessen. Niemand bleibt liegen und gibt den Wettlauf auf. So überwinden wir die Müdigkeit, so bleiben wir in Bewegung – dem Ziel entgegen. Im Licht von Jesus, der uns vom Anfang bis zum Schluss coacht.
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Stefan Zürcher, Pfr. - 1. April 2006 |
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